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Die Preßnitztalbahn

Sonderzug zum Schulanfang am 30.08.97 im Bahnhof Schlössel
D
ie Preßnitztalbahn mit einer Spurweite von 750 mm führte
einst von Wolkenstein an der normalspurigen Zschopautalbahn nach Jöhstadt
im Südwesten des Erzgebirges. Bereits 1984 wurde der Bahnverkehr auf
dieser Strecke aufgegeben und bald danach die Strecke abgerissen, um den
"wertvollen" Schienenschrott einzuschmelzen. Nach der Wende ging
die Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn dran, einen
Teil der Bahn wieder aufzubauen. Was daraus geworden ist, ist schon
erstaunlich! Momentan liegen die Gleise wieder von Jöhstadt bis Steinbach
(Hp. Andreas-Gegentrum-Stolln). Der Fahrbetrieb wird in den Monaten Mai
bis Oktober mit Dampf- und/oder Diesellokomotiven an allen Wochenenden
durchgeführt.
Auf dem Wege vom Ost-Erzgebirge nach Oberwiesenthal hatten wir die Bahn
schon gesehen. Aber an diesem Montag war kein Betrieb. Ein auf freier
Strecke abgestellter Schotterzug, eine Diesellok und eine ungestopfte
Bahnstrecke zeugten aber von einer regen Tätigkeit des Vereins. Wir
beschlossen, diese Bahn später zu besichtigen. Die nächste Gelegenheit
ergab sich anlässlich der Einschulung der I-Dötze in Sachsen am 30.8.97.
Schon ziemlich früh morgens waren wir in Richtung Jöhstadt unterwegs. Am
Lokschuppen, der vorbildlich restauriert war, stand eine sächsische IV K
Lokomotive, die gerade von einem TV-Team des SDR gefilmt wurde.

Lok 99 1542-2 vorm Schuppen in Jöhstadt
W
ir erfuhren, dass 2 IV-K-Lokomotiven im Einsatz sind und jede
Stunde abwechselnd die Strecke bis zum Ausflugslokal "Forellenhof" befahren. Eine dritte "IV K" befindet
sich im Schuppen. Kurz nach unserem Eintreffen in Jöhstadt kommt auch der
Zug aus Schmalzgrube zurück. Ein mehr oder weniger komplexes
Rangiermanöver spielt sich im Lokbahnhof Jöhstadt ab. Es gibt kein
ordentliches Ausziehgleis oder Überholungsgleis. Der ehemalige
Bahnhofsbereich von Jöhstadt wird von einem Plattenbau und zugehörigem
Garten beansprucht. Das Bahnhofsgebäude dagegen ist komplett erhalten,
wird aber durch den Plattenbau von der Lokstation getrennt. Für die
IG-Preßnitztalbahn heißt das "sich behelfen". Zunächst fährt
der Zug aus Schmalzgrube in das Stumpfgleis. Dann setzt sich die
"frische" IV K am Schuppen vorbei auf das Streckengleis und
wieder Rückwärts an das Ende des gerade eingefahrenen Zuges. Es wird
gekoppelt und entkoppelt und als der neue Zug das Betriebswerk Jöhstadt
verlässt, bleibt die ursprüngliche Zuglok auf dem Stumpfgleis zurück.
Nun wird noch etwas rangiert, bis die Lok wieder vor dem Schuppen am
Wasserkran steht und bevorratet werden kann.

Der Lokbahnhof Jöhstadt unterhalb der Ortschaft
W
ir beschließen mit der nächsten Bahn bis Forellenhof und zurück zu fahren.
Es ist (noch) ziemlich ruhig und die Vereinsmitglieder sind fleißig
dabei, den Grill anzuheizen und sich sonst wie um das leibliche Wohl der
noch zu erwartenden Besucher zu kümmern. Da es noch frisch ist, nehmen wir
nicht im "Cabrio" Platz, sondern in einem von der Lehrwerkstatt
der Berliner S-Bahn vorbildlich aufgearbeiteten Plattformwagen. Als der
Zug bereits fährt, kommt unser Kaffee. Durch die Schaukelei lässt sich
ein "Fußbad" nicht vermeiden. Der Kaffee schwappt sogar aus den
Tassen als diese auf unserem Tisch stehen. Vorsichtig wird geschlürft, um
nicht noch mehr zu verschütten.
Ein Blick aus dem Fenster zeigt eine idyllische Landschaft. Die wenigen
industriellen Gebäude an der Strecke scheinen verlassen, die
Einnahmequellen der Region nur aus der Land- und Forstwirtschaft und dem
Tourismus zu stammen. Uns stört es nicht. Die Bahnhöfe an der nur ca.
4,5 km langen Strecke sind wunderschön restauriert worden. Die
Gleisanlagen wurden im alten Umfang wiederhergestellt. In Schlössel, dem
ersten Bahnhof, in dem wir halten, steht noch eine ganze Menge rollendes
Material.
Weiter geht es über den Haltepunkt Loreleifelsen nach Schmalzgrube.
Dieser Haltepunkt liegt mitten im Waldgebiet und hatte wohl nur als
Etappenziel beim Wiederaufbau der Bahn Bedeutung.

99 1590-1 vor der Abfahrt aus dem Bahnhof Schmalzgrube
I
n Schmalzgrube ist wieder mehr los. Es gibt eine Laderampe,
einen Schuppen und wieder viel abgestelltes Material. Ein Eisenbahnfreund
verkauft Eisenbahnartikel und Souvenirs. Nun setzt die Lok um und die
letzten wenigen hundert Meter drückt die Lok den Zug zum HP Forellenhof.
Ab Forellenhof liegt die Strecke bis zum HP Andreas-Gegentrum-Stolln
bereits. Als wir da waren, waren aber die Schotter- und Stopfarbeiten noch
nicht abgeschlossen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es zurück in den Bahnhof
Schmalzgrube. Die IV K fährt nun mit dem Kamin vorn und bergauf. Das Tal
wird ordentlich eingeräuchert, die kleine Maschine darf endlich auch mal
etwas arbeiten. Unterwegs sehen wir wieder das Fernsehteam des SDR, das
fleißig Aufnahmen macht. Aufnahmen, die wir auch gerne hätten.
Also beschließen wir, die Strecke auch zu erwandern. Am Endbahnhof
Jöhstadt ist nun richtig was los. Ganze Gruppen von Kindern mit Eltern,
Großeltern und Verwandten bevölkern die Züge und feiern so die
Einschulung der Kleinen. Auf dem Hang gegenüber von Jöhstadt genießen
wir einen wunderschönen Ausblick über das Tal mit dem Lokschuppen, auf
die Stadt und auf den modernen Windpark oberhalb der Stadt, der so gar
nicht in das nostalgische Umfeld passt. Auf unserer Wanderung treffen wir
wieder einige male auf das Kamerateam. Als wir in Forellenhof ankommen,
wird erst mal Kaffee getrunken. Den Rückweg nach Jöhstadt treten wir
wieder mit der Bahn an. Diesmal benutzen wir das offene "Cabrio"
und lassen uns schön einräuchern und genießen das Arbeiten der IV K.
Zum Abschluss des Tages wird in Jöhstadt noch eine Stärkung zu sich
genommen. Die Menschenmassen ziehen nun langsam ab und es kehrt wieder
Ruhe ein. Der Tag hat sich gelohnt. Die Bildausbeute ist reichlich und
brauchbar.

99 1590-1 in der Abendsonne. Im Hintergrund die letzten Gäste
© 1997 - 2006 Gerard Clemens (Letzter Update 18.07.06 -
Ergänzungen und Korrekturen von Andre Marks)
